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Montag 8. Januar 2007
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BÖNIGEN/SAN FRANCISCO: DIE GESCHICHTE EINER AUSWANDERIN

Monika Steiner hats weit gebracht

Die ehemalige Böniger Lehrerin Monika Steiner wanderte vor sechs Jahren nach Amerika aus. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten fand sie ihr Glück und steht nun vor dem Durchbruch ihrer Karriere als Künstlerin.

Eine zierliche, dunkelhaarige Frau mit grossen Augen steht vor einer Klasse aus Dritt- und Viertklässlern im Schulhaus Bönigen. Basteln ist angesagt. Ihr Lachen ist ansteckend, sie ist hübsch und ihre Stimme deutlich und hell. – Es ist einfach, sich Monika Steiner vorzustellen, wie sie von 1994 bis 2000 in der Schulstube stand und unterrichtete. «Ich erinnere mich gerne an die Kinder – es war eine bereichernde Zeit», sagt sie. Ein Besuch bei ehemaligen Lehrerkollegen in Bönigen, während eines kurzen Aufenthalts in der Schweiz, frischte die Erinnerungen wieder auf.

Katze, Schaf und Huhn

Wenn Monika Steiner spricht, entwischt ihr ab und zu ein englisches Wort, vor allem wenn sie über Kunst philosophiert. Seit sechs Jahren lebt sie nun in der Nähe von San Francisco, wo sie zur Künstlerin avanciert. Ansonsten hat die heute 34-jährige Bauerntochter aus Gysenstein nichts Amerikanisches an sich, vor allem nicht, wenn sie gerade erzählt, dass sie als Kind auf dem Hof eine Katze, ein Schaf und ein Huhn besessen hatte. In diesem Moment passt sie nicht in die Welt einer Metropole mit Wolkenkratzern. Aber genau diese Wolkenkratzer scheinen es gut mit ihr zu meinen. «Zurzeit stelle ich in der Banc of America aus – das ist das höchste Gebäude in San Francisco», erklärt Steiner. Mit dieser Ausstellung steht die ehemalige Lehrerin vor dem künstlerischen Durchbruch – Tausende von Menschen können ihre grossen Gemälde sehen. Im Erdgeschoss des prominenten Gebäudes sind die Bilder auch von der Strasse aus zu bewundern. «Ich bin weit gekommen in der kurzen Zeit, in einem Land, wo sich so viele Künstler nennen», stellt Monika Steiner mit Genugtuung fest.

Aus der Norm ausbrechen

Tatsächlich ist sie weit gekommen, nicht nur weil sie ihren Wohnsitz um 6000 Meilen verlegt hat. Für sie sei es nicht einfach gewesen, aus dem «sicheren Hafen in Bönigen Richtung Amerika aufzubrechen. Als mein Mann die Fachhochschule in Burgdorf beendet hatte, wussten wir, dass der Zeitpunkt gekommen war», erinnert sie sich. Das junge Ehepaar wollte aus der Norm ausbrechen, «bevor Karriere, Kinder und Eigenheim uns irgendwo für ewig festgenagelt» hätten. Doch die blühende Zeit in der Computerhochburg Silicon Valley war schon am Verwelken, als sich ihr Mann um einen Job und die damit verbundenen Visa bemühte. Als es in letzter Minute doch noch klappte mit einer Anstellung in der Computerbranche, warteten sie noch ein halbes Jahr auf ihr Visum. Doch am Ende der ganzen Ungewissheit stand Monika Steiner schliesslich mit zwei Koffern in San Francisco.

Ungewohnte Lebensart

«Das erste halbe Jahr war eine Herausforderung», sagt Steiner. Sie hatte Heimweh, ihr Visum erlaubte ihr nicht, als Lehrerin zu arbeiten, und die amerikanische Lebensart war «ungewohnt». Ohne amerikanische «credit history» – die Kreditwürdigkeit, die man sich über Jahre mit einer guten Zahlungsmoral aufbauen muss – war es schwierig, überhaupt eine Wohnung zu mieten, ein Auto zu leasen oder einen Telefonanschluss einzurichten. «Wir kauften nur das Nötigste: ein Bett, zwei Stühle, eine Pfanne.» Aber der anfängliche Gedanke, wieder nach Hause zu fliegen, wich nach einem halben Jahr doch aus ihrem Kopf. «Ich wollte bleiben, weil ich an der Universität mein Kunststudium angefangen hatte.»

Ein gebrochener Rücken

«Amerika ist für mich eine lange persönliche Reise, die mir die Freiheit gab herauszufinden, was mich wirklich interessiert», erklärt Monika Steiner. Die Ausbildung an der Sonoma State University führte sie durch alle Techniken des Zeichnens und Malens. Augenfällig an ihren abstrakten Bildern ist die Entwicklung des Farbenspektrums. Während in früheren Bildern Farben wie Braun und Schwarz dominierten, erstrahlen die neueren Gemälde in satten Grün-, Gelb- und Rottönen. Sicherer und freier sei sie geworden.

Nicht nur ihre Bilder haben sich verändert, auch ihr Leben. Als sie während eines Pferdeausritts verunfallte, brach sie sich drei Rückenwirbel. Monatelang war sie ans Bett gefesselt: «Ich durfte mich nicht bewegen, konnte nicht arbeiten, und mein gesundheitlicher Zustand war schlecht», erzählt sie. Rückblickend habe ihr diese Zeit, in der sich durch die Trennung von ihrem Mann auch persönliche Veränderungen vollzogen, die Chance gegeben, zu sich selber zu finden.

Das Sujet selber bringen

Über die schwierigen Zeiten hat ihr die Malerei viel geholfen. Beim abstrakten Malen müsse man alles selber erbringen, die Komposition, die Farbkontraste und auch das Sujet, erzählt sie über die Kunst, die sie früher faszinierte, weil sie sie nicht verstanden hatte. So heissen ihre Bilder denn auch «Entscheidung», «Befreiung» oder «Zusammenfluss». Gerne würde sie ihre Bilder auch in der Schweiz ausstellen. «Vielleicht kann ich mit dem Böniger Kunstkomitee etwas arrangieren», sagt sie mit einem hoffnungsvollen Augenzwinkern.

Anita BachmannInfos: www.monikasteiner.net



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[08.01.07]
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